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Die Äuglein klein und quadratisch ... Ich bin in der zweiten Projektphase angekommen -TONSCHNITT

September 27, 2017

 

Nachdem feststand, welche Sound-Stationen mit welchen Höreindrücken aus Linz gepaart bzw. in Gegensatz gestellt werden sollten, konnte ich die Route um das Alice Boner Institut anlegen … rein theoretisch, denn ohne geschnittenes Tonmaterial bleiben die zu laufenden Distanzen zwischen den Stationen reine Hypothesen. Ein großer Teil meiner Residency befasst sich mit einem Fragebogen, den Max Frisch während eines USA-Aufenthalts 1971 in sein Tagebuch notiert hatte. Max Frisch, der nach seiner Rückkehr aus den Staaten eine zunehmend kritische Position gegenüber seinem Heimatland der Schweiz einnahm, stellt in dieser Sammlung Fragen nach der Definition des Heimatbegriffs und der identitätsstiftenden Beziehung zum Land des Ursprungs. Die Formulierungen – teilweise durchaus humoristisch – spiegeln Frischs eigene Auseinandersetzung mit der Heimat wider und nähern sich über Detailbeobachtungen (Welche Speisen essen Sie aus Heimweh? Zum Beispiel lassen sich die deutschen Urlauber auf den Kanarischen Inseln täglich das Sauerkraut mit dem Flugzeug nachschicken.) dem Gefühl der Heimat an. Diesen Fragebogen hatte ich bereits in Österreich ins Englische übersetzt. Die Auswahl der InterviewpartnerInnen war systematisch; ihre Lebenssituationen sollten exemplarisch aus verschiedenen Perspektiven einen divergierenden Ansatz zur Heimat verdeutlichen. Verena S. stammt aus Linz und bedient somit die Kategorie eines im Geburtsland lebenden Menschen (native). Jaskaran A. erhielt eine Tänzerausbildung in seinem Heimatland Indien und arbeitet und studiert nun in Österreich (expat/choice). Sakher A. ist Syrer und lebt ebenfalls in Linz; in seinem Geburtsland war er seit 2010 nicht mehr (refugee/force). In Varanasi sollte sich die Suche nach InterviewpartnerInnen aus diesen Kategorien schwieriger als gedacht herausstellen. Am schnellsten konnte ich das Interview mit Jeremy O. aufnehmen (expat/choice), einem Amerikaner der seit 14 Jahren in Indien lebt. Da ich mir vorgenommen hatte, Frauen und Männer gleichermaßen zu beteiligen, suchte ich für die Kategorie des Native unbedingt eine indische Frau. Wenn das öffentliche Leben von Männern dominiert wird, sind jedoch Begegnungen mit Frauen, die zudem gutes Englisch sprechen, eine Rarität. Über Kontakte an der hiesigen Universität BHU half man mir Neelam C., eine 24-jährige Studentin, kennenzulernen, die Varanasi ihr zu Hause nennt. Noch schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem geflüchteten Menschen. Die Nähe zu Tibet, welches seit 1959 von China okkupiert wird, legte den Gedanken nahe, sich an die University of Tibetan Studies im 11 km entfernten Sarnath zu wenden. Da emails unbeatwortet blieben und Telefonnummern nicht zu funktionieren schienen, entschloss ich mich, den indischen – zeitintensiven – Weg einzuschlagen und nach einer staubigen Stunde im TukTuk vor Ort mein Anliegen vorzutragen. Der Student Councellor Mr Sidon assistierte mir nach Prüfung meiner Unterlagen (Pass, Visum und Residency-Vertrag), einen geeigneten Interviewpartner zu finden: Rigzin floh als 14-Jähriger aus Tibet und sehnt sich nach einem Zuhause, dass nur noch in seinen Kindheitserinnerungen existiert (refugee/force).

 

Alle sechs Interviews waren spannend und bereichernd, berührend und interessant. So viele Unterschiede es auch gab, so überrascht war ich ob der Gemeinsamkeiten in den Antworten. Die Sehnsucht nach / die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Heimat als identitätsstiftender Ort und Raum oder als identitätsstiftendes Gefühl stellte sich als tief-menschliches dar, was als Band der Verbundenheit die Distanzen der Kontinente überbrückte.

 

 

 

 

 

 

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© 2017 Inhalt von Ira Goldbecher / Fotos von Silvo Handrick, Peter Philip, Laura Su Bischoff, Wilhelm Entner