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Reflexion eines Besuches

 

Als ich genau vor zehn Jahren das erste Mal Fuß auf indischen Boden setzte, forderte mich das Land wie kaum ein anderes mit seinen Höreindrücken heraus. Das unaufhörliche Hupen der Autos und Tuk-Tuks auf den Straßen Neu Delhis verwoben sich zu einem in sich komponierten Geflecht von Tönen und Lauten. Und so war Indien für mich das Land der sich aufdrängenden Geräusche. Penetrant, infiltrierend, lebendig. Jeder Klang war außergewöhnlich. Jeder Klang war fremd und machte mir bewusst, dass ich in eine Welt eintauchte, die ich nicht verstehen konnte. Ich verstand weder, woher die Geräusche des täglichen Miteinanders herkamen, noch was sie bedeuteten. Ich verstand nicht, worüber Menschen redeten und was sie meinten, wenn sie ihre Körper mit Gestik füllten; ich konnte nicht vorhersehen, welche Handlungen sich in einer Perlenkette von Kausalitäten aneinanderreihen würden. Ich erinnere mich an ein Gefühl der Ohnmacht und der Überforderung meiner Sinne, an Kontrollverlust. Die Verarbeitungsmechanismen der Geräuschequellen in den Windungen meines Gehirns hoben die Deckel von grauen Schachteln an, öffneten Türen, räumten Regale leer auf der Suche nach Lagerungsflächen und Staumöglichkeiten für dieses indische Hörspiel. Wohin sollte ich beispielsweise ein in kurzen Abständen aufeinanderfolgendes Hupen im Geräusche-Regal für Verkehrskommunikation ablegen? Ganz oben unter „Achtung, ich überhole von rechts“ oder unten bei „I just like to honk“. Ist der schreiende Mann hinter mir verärgert, besorgt oder wünscht er mir einfach nur einen guten Tag? Ist das ein Volkslied oder laufe ich gerade in eine heilige Zeremonie hinein? Sind die metallisch-klackenden Geräusche des sich langsam auf den Schienen dahinwindenden Zuges, in dem ich sitze, normal? Was höre ich – unter einer dichten Klangwolke wandelnd – NICHT? Um so mehr Deckel ich anhebe und Schubladen öffne, um so mehr breitet sich die Panik dieses Chaos vom Schachtelsystem im Kopf auf den Körper aus. Ich spüre die Grenzen zwischen mir und meiner Umgebung. Meine Haut ist eine Barriere. Durch die Ohren gelangt die neue Welt in mein Herz und hinterlässt mich ängstlich aufgerieben, fasziniert suchend und letztendlich feststellend, dass es in mir weder passende Boxen noch fertige Regale gibt.

 

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© 2017 Inhalt von Ira Goldbecher / Fotos von Silvo Handrick, Peter Philip, Laura Su Bischoff, Wilhelm Entner


 


 

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